Naturschutz- und Landschaftspflegeprojekt "Kayna-Süd"

Bergbaufolgelandschaften und Naturschutz

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  • Bergbaufolgelandschaften und ihre Bedeutung für den Naturschutz

    Bergbaulandschaften stellen sich bei einer ersten Betrachtung als Landschaften dar, in denen es infolge des Tagebaubetriebs zur Zerstörung der Vegetation und der belebten Bodenhorizonte kam. Aus diesem Grund wurde ihr Wert allgemein als gering eingeschätzt. Oft wurden dort Abfälle verkippt oder die entstandenen Löcher wurden wieder verfüllt.
    Tagebaurestsee Als Besonderheiten entstanden in den brachliegenden Bergbaulandschaften spezifische Biotopstrukturen, die sich durch Störungsarmut und geringe Zerschneidungen auszeichnen. Derartig Standortbedingungen sind in der Kulturlandschaft kaum noch vorzufinden. Aus diesem Grunde besitzen Bergbaufolgelandschaften wertvolle Naturschutzpotentiale.

    Auch die Bergbaufolgelandschaft Kayna-Süd hat sich nach der Nutzungsauflassung inzwischen zu einem wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Wohl in keinem anderen Landschaftstyp wechseln die Standortbedingungen zwischen feucht und trocken, nährstoffarm und nährstoffreich, sonnig und schattig so kleinräumig wie in den Bergbaufolgelandschaften.
    An den Tagebaurestsee mit seinen abwechselnd flachen und steilen Ufern grenzen ausgedehnte Schilf- und Verlandungsflächen. Gehölzbewuchs im Vorwaldstadium und Gebüsche wechseln sich mit größeren Flächen ab, die infolge Nährstoffarmut der ehemaligen Kippenböden nur gering bewachsen bis vegetationsfrei sind. Hier schafft eine ungehinderte Sonneneinstrahlung extreme Klimabedingungen, wie sie eher in weiter südlich gelegenen Ländern vorzufinden sind. Alle diese speziellen Standorte sind in dieser Ausprägung kaum noch in der übrigen mitteldeutschen Landschaft zu finden. Ein vielfältiges Biotopmosaik bietet gleichzeitig einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt zusagenden Lebensraum und es sind vor allem die Spezialisten unter den Arten, die hier ihre ökologischen Nischen finden.

    In der Bergbaufolgelandschaft Kayna-Süd sind vor allem der Tagebaurestsee sowie die angrenzenden Offenlandbereiche wichtiger Lebensraum für seltene und bestandsbedrohende Vogelarten wie Große Rohrdommel (Botauris stellaris), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Grauammer (Miliaria calandra), Neuntöter (Lanius collurio), Bekassine (Gallinago gallinago), Uferschwalbe (Riparia riparia), Teichrohrsänger (Acropcephalus scirpaceus), Brachpieper (Anthus campestris) u.a. Dies war auch der Grund, dass große Bereiche des ehemaligen Tagebaurestloches als EU Vogelschutzgebiet "Bergbaufolgelandschaft Kayna-Süd" unter Schutz gestellt wurden.

    Rohrweihe, Teichrohrsänger oder die Große Rohrdommel nutzen die dichten Schilfbestände als Brutplatz, während Haubentaucher, Höckerschwan oder Blässralle die ufernahen Bereiche bevorzugen. Sumpfige Offenlandflächen werden von Bekassine, trockene Offenlandflächen hingegen vom Steinschmätzer und Brachpieper bevorzugt. In den locker mit Gebüsch bestandenen Bereichen brüten Neuntöter und Grauammer. Uferabbrüche und Lößwände bieten Uferschwalben und dem Bienenfresser Nistmöglichkeiten. Erst seit wenigen Jahren brüten die bunten Bienenfresser, die ansonsten in tropischen und subtropischen Ländern ihre Heimat haben, in den belassenen Lößwänden der Außenböschung.
    Höckerschwanenfamilie (Cygnus olor) Selbst extrem seltene Vogelarten wie die Sumpfohreule, Wiedehopf oder das Blaukehlchen konnten hier schon beobachtet werden. Mit etwas Glück sind sogar beim Durchzug Seeadler oder Fischadler zu sehen. Gerade für den Vogelzug sowie als Rast- und Überwinterungsplatz zahlreicher Sumpf- und Wasservögel hat der Tagebausee eine wichtige Bedeutung in unserem Territorium.

    Wegen der Vielfalt seltener und bestandsbedrohter Vogelarten des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie sowie der Roten Liste Sachsen-Anhalt wurde deshalb der südliche Bereich des ehemaligen Tagebaus als Europäisches Vogelschutzgebiet unter Schutz gestellt.