Bergbaufolgelandschaft "Kayna-Süd"

Entwicklung nach dem Bergbau

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    Neben den sozialen Problemen des Verschwindens und Umsiedelns ganzer Dörfer brachte die großflächig betriebene Grundwasserabsenkung des Bergbaus auch erhebliche ökologische Folgen: Das betraf u.a. die Versauerung der Oberflächengewässer durch das Einleiten der Sümpfungswässer des Bergbaus, Grundwasserabsenkung sowie infolge der Grundwasserabsenkung die Verdichtung des Lockergesteins mit der Gefahr von Bodenabsenkungen. Des Weiteren wurden ökologisch wertvolle Feuchtgebiete trockengelegt und das Mikroklima verändert. Biotope wurden beseitigt und damit den dort beheimateten Tieren und Pflanzen ihr angestammter Lebensraum entzogen.

    Erhebliche Umweltschäden wurden durch "Nachnutzungen" des Tagebaurestloches Kayna-Süd bis 1990 verursacht. Vor allem im Südteil in der Gemarkung Reichardtswerben wurde großflächig Haus- und Gewerbemüll verkippt. Vorhandene Planungen, das Tagebaurestloch als Industriemülldeponie der chemischen Großbetriebe Leuna und Buna sowie als Hausmülldeponie zu nutzen, konnte 1990 durch engagierte Naturschützer verhindert werden. Innenbereiche des Tagebaurestloches wurden in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts auch als militärisches Übungsfeld für Sprengungen durch die Nationale Volksarmee und die damals hier stationierten sowjetischen Streitkräfte genutzt.
    Des Weiteren wurde bis zum Jahre 1992 Gülle aus der angrenzenden Schweinemastanlage im Bereich der Westkippe des Tagebaurestloches verregnet und abgesetzt. Darüber hinaus wurden neben der Verspülung von Kraftwerksasche auch kommunale Abwässer aus der Ortslage Großkayna und der Kläranlage Braunsdorf in den Tagebausee eingeleitet (1994 eingestellt). Eine bis 1992 betriebene Fischintensivzucht in Netzgehegen belastete zusätzlich den Tagebaurestsee.

    Luftbild des Kippendamms bei der Ortslage Großkayna

    Die devastierten Flächen des Tagebaurestloches Kayna-Süd wurden ansonsten sich selbst überlassen. Mit dem Wiederanstieg des Grundwassers und der Bildung des Tagebaurestsees und seinen großflächigen Verlandungszonen und vegetationsarmen Flächen entwickelte sich in Verbindung mit den durch hohe Sonneneinstrahlung geprägten Kippen, Spültische und Steilböschungen in der Folgezeit trotz der genannten Umweltbelastungen ein ganz eigener Landschaftstyp mit einem speziellen ästhetischen Reiz und neuen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, insbesondere auch für seltene und gefährdete Arten. Diese Lebensräume einerseits zu erhalten und andererseits die Landschaft für neue nachhaltige Nutzungen zu gestalten, ist die Herausforderung der Bergbaufolgelandschaften.

    Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts mussten im stillgelegten Tagebau umfangreiche Sanierungs- und Umgestaltungsarbeiten durchgeführt werden, insbesondere zur Beseitigung der Altlasten sowie zur Gewährleistung der erforderlichen Standsicherheit der Böschungen. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten erfolgten auch Aufforstungen und Begrünungen auf einer Fläche von insgesamt ca. 240 ha.
    Der Südteil des Tagebaurestloches wurde dabei unter naturschutzfachlichen Aspekten saniert, d.h. hier wurde neben der Beseitigung der Altlasten nur eine Sicherung der Außenböschungen zur Gewährleistung der Standsicherheit unter Belassen von ökologisch wertvollen Löß-Steilwänden vorgenommen. Die Innenkippenbereiche und Spültische sowie das südliche Gewässerufer wurden weitestgehend belassen. Diese damals mutige Entscheidung der für die Sanierung Verantwortlichen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) zeigt sich heute als wahrer Segen für den Naturschutz.
    Die Sanierungsarbeiten sowie die Aufforstungen und Begrünungen wurden 1996 abgeschlossen.

    Aus Gründen der geotechnischen Sicherung sowie zur Verbesserung der Wasserbeschaffenheit erfolgte von 1996 bis 2009 eine Fremdflutung des Tagebausees mit Wasser der Saale sowie aus Tiefbrunnen.

    Inzwischen wurde an der Außenkante des Tagebaurestloches ein bitumierter Fahrradweg angelegt, der mit eine Gesamtlänge von 10,4 km um das Tagebaurestloch herumführt und so die Bergbaufolgelandschaft Kayna-Süd auch für Erholungssuchende erschließt. Je ein Aussichtsturm auf der Ost- und Westseite gestatten Naturfreunden einen ungehinderten Einblick in das Tagebaurestloch.
    Das Nordufer des Tagebausees wird heute zunehmend durch Wassersportfreunde genutzt. Dort hat sich bereits ein Segelclub und ein Surfstützpunkt mit dazugehöriger Infrastruktur etabliert.

    Während Bergbaufolgelandschaften früher als "Mondlandschaften" oder "Katastrophenregionen" bezeichnet wurden, hat sich heute die Sichtweise grundlegend geändert. Neben einer Freizeitnutzung etablierte sich der Naturschutz als gleichberechtigtes Nutzungskonzept in der Bergbaufolgelandschaft. Insbesondere durch das überdurchschnittlich hohe Vorkommen zahlreicher bestandsgefährdeter und geschützter Arten wurde der Südteil des ehemaligen Tagebaus Kayna-Süd als EU-Vogelschutzgebiet "Bergbaufolgelandschaft Kayna-Süd" im Rahmen des europaweiten Schutzgebietesystems Natura-2000 unter besonderen Schutz gestellt. Darüber hinaus wurde im Gebiet Ende 2010 auch eine Fläche von insgesamt 350 ha als Naturschutzgebiet "Bergbaufolgelandschaft Kayna-Süd" ausgewiesen.

    Ansicht der Bergbaufolgelandschaft von Norden