Bergbaufolgelandschaft "Kayna-Süd"

Geschichte des Bergbaus

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    Bereits vor mehr als 100 Jahren begann im Geiseltal der industriemäßige Abbau der Braunkohle im Tagebauverfahren und gelangte vor allem durch den Einsatz moderner Großgerätetechnik ab 1905/06 zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Historisch belegt waren Braunkohlenfunde im Geiseltal bereits seit dem Jahre 1698.
    Bei Merseburg, in unmittelbarer Nähe zum Geiseltal, siedelten sich in der Folge chemische Großbetriebe wie Leuna (1917), Buna (1936) und Wintershall (1936) an. Die Braunkohle wurde zu einer für Deutschland unabhängigen Rohstoffquelle für die chemische Weiterverarbeitung sowie ein grundlegender Energielieferant.
    Abbau und Nutzung der Braunkohle sorgten 150 Jahre lang für Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung in der Region verbunden mit einer großflächigen Erschließung und auch der Zuwanderung von Menschen.

    Tagebaugroßgerät

    Entstanden waren die Braunkohleflöze des Geiseltals im Tertiär vor etwa 44 bis 17 Millionen Jahren. Damals herrschte auf nahezu allen Erdteilen ein wärmeres Klima als heute. Das Geiseltal war bedeckt von einem immergrünen tropisch-subtropischen Regenwald. Durch die Entstehung der Alpen war im Gebiet des Geiseltals ein tiefes abflussloses Becken entstanden, in dem die abgestorbenen Pflanzenteile des Regenwaldes unter Luftabschluss zu Torf und später zu Braunkohle umgewandelt wurden und sich so im Verlaufe von Jahrmillionen mächtige Braunkohlenflöze bildeten.

    Zahlreiche Funde lieferten bei den Forschern ein Bild der Tier- und Pflanzenwelt des Tertiärs. Neben Pflanzenblättern, Früchten und Schilf, wurden auch Käfer, Schlangen, Schnecken sowie Fische, Frösche, Eidechsen, Schildkröten und sogar Krokodile entdeckt. Die größte Attraktion überhaupt bildete der Fund eines Urpferdes, das wie zahlreiche andere Funde im Geiseltalmuseum in Halle/Saale zu sehen ist.

    Der industrielle Abbau der Braunkohle im Tagebau führte im letzten Jahrhundert zu einem grundlegenden Wandel der Wirtschaftsstruktur und des Landschaftsbildes. Aus dem ehemals landwirtschaftlich geprägten Geiseltal entwickelte sich eine durch Bergbau und Chemie gekennzeichnete Industrieregion. Dörfer, Gewässer, Straßen und Schienenwege wurden verlegt. Seit 1929 - 1968 mussten 18 Ortschaften teilweise oder ganz dem Bergbau weichen, dabei wurden ca. 12.500 Einwohner umgesiedelt.

    Der Tagebau Kayna-Süd wurde im Jahre 1948 als Nachfolgetagebau für die auslaufende Kohleförderung im Tagebau Großkayna in Betrieb genommen.
    Zwischen 1950 und 1972 wurden hier insgesamt rund 127 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Der Aufschluss erfolgte zuerst im Nordfeld von Großkayna aus. Sieben Jahre später war das Feld ausgekohlt und wurde mit Abraum verkippt. Ab 1960 schloss man das Südfeld auf. Der Tagebau bewegte sich dabei südostwärts und ab 1966 wurde das so genannte Randfeld abgebaut.
    Ein Jahr darauf wurden die Verkippungsarbeiten im Nord- und Südfeld eingestellt. Die Verkippung von Abraum im Randfeld vollzog sich zwischen 1969 und 1971. Erstmalig wurde 1970 im Südfeld Abraum aus dem südlich gelegenen Tagebau Roßbach verspült.

    Für den Tagebaubetrieb Kayna-Süd mussten die Dörfer Großkayna und Kleinkayna sowie das historische Schlachtfeld der Schlacht bei Roßbach von 1757 weichen.

    Das Tagebaurestloch Kayna-Süd hat eine Gesamtfläche von ca. 600 ha, davon ca. 260 ha Wasserfläche, bei einer maximalen Wassertiefe von 22 m. Die größte Länge des Tagebaurestsees beträgt 3,9 km, seine größten Breite 2,2 km. Der Tagebaurestsee hat eine Uferlänge von 7,5 km.

    Tagebaurestsee Kayna Süd