Beweidungsmanagement

Wie verändern Weidetiere ihren Lebensraum?

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  • Wie verändern Weidetiere ihren Lebensraum?

    Im Gegensatz zur Mahd, die schlagartig und auf der gesamten Fläche zum Verlust von Deckung für Tierarten sowie von Blüten und Samen führt, stellt die extensive Beweidung für die Flora und Fauna lediglich einen behutsamen "Eingriff" dar.
    Weidetiere fressen allmählich und nicht alle Pflanzen werden gleich bevorzugt. Dadurch verbleiben inselartige Strukturen, u.a. als Rückzugsmöglichkeiten und Nahrungsquellen für Tiere. Auf solchen Flächen können sich auch Gehölze entwickeln. Die Weidetiere gestalten somit aktiv verschiedenartige Lebensräume für eine Vielzahl wildlebender Tier- und Pflanzenarten. Auch durch Sandbadestellen der Weidetiere, Weidewechsel und andere Trittbelastungen sowie Kotplätze entstehen neue kleinräumige Strukturen. Kahle Bodenstellen werden von Tieren zur Nahrungssuche und zum Sonnenbaden genutzt und bieten dann kurzlebigen und konkurrenzschwachen Pionierpflanzen einen vorübergehenden Lebensraum.

    Weidetiere verbreiten Pflanzensamen. Wenn es darum geht, das Überleben von Arten zu sichern, ist die Natur überaus erfinderisch. Mit Widerhaken bewaffnete Samen von Pflanzen wie Kletten, Klebkraut oder auch Trespen bleiben im Fell von Großsäugern hängen und werden so oft über große Flächen verteilt. So tragen auch Weidetiere aktiv zur Verbreitung von Pflanzen bei. Nicht nur das Fell oder daran haftender Schlamm, sondern auch die Hufe und Klauen dienen der Verbreitung von Pflanzensamen oder sogar kleinen Tieren.

    Selbst der Dung der Weidetiere ist eine wertvolle Ressource. Nicht nur die allbekannten Mistkäfer, sondern Hunderte von spezialisierten Pilzen und Käfern hängen von dieser Nahrungsquelle ab. Die ständige Verfügbarkeit von Dung spielt für die ganzjährige Besiedlung der Flächen mit Insekten und weiteren über die verschiedenen Nahrungsketten davon abhängigen Wirbellosen und Wirbeltieren, z.B. Schlupfwespen, Fledermäusen oder Vogelarten, eine wesentliche Rolle.

    Allein über 200 Käferarten gehören zu den Spezialisten, die vom Dung der Tiere leben. Darunter ist eine sehr große Zahl von Arten, die zu den stattlichsten Insekten unserer Heimat zählen.
    Der Rückgang gerade der Großinsekten infolge intensiver landwirtschaftlicher Nutzung hat auch direkten Einfluss auf das Vorkommen von insektenjagenden Vögeln. Jäger von Großinsekten wie Steinkauz, Wiedehopf und Raubwürger sind mittlerweile gemäß der "Roten Liste" bestandsgefährdete Vogelarten. Fast alle Wiesenvogelarten gehören heute zu den am meisten gefährdeten Spezies. Auch das Nahrungsangebot für Fledermäuse wird durch die Förderung von Insektenarten erhöht. Die neuerliche Beobachtung des Wiedehopfs im Bereich der Beweidungsflächen in Kayna-Süd im Frühjahr 2010 kann ggf. bereits mit dem verbesserten Nahrungsangebot für diese extrem seltene und vom Aussterben bedrohte Vogelart zusammenhängen.

    Wie andere, bereits seit längerer Zeit initiierte Naturschutzprojekte mit Weidtieren in Deutschland beweisen, kann durch eine ganzjährige extensive Beweidung mit einer geringen Besatzstärke der Artenreichtum auf den betreffenden Weideflächen allmählich wieder zurückgewonnen werden. Für das Beweidungsprojekt Kayna-Süd wird daher auch seit 2009 ein zielgerichtetes Monitoring des Beweidungsmanagements hinsichtlich erkennbarer Veränderungen der Flora und Fauna durchgeführt.

    Offenhalten der Landschaft durch die Koniks