Naturschutz- und Landschaftspflegeprojekt "Kayna-Süd"

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  • Auswertung - Vegetation

    Erfassung der Weidereste im März

    Für die Strukturierung der Grünlandvegetation ist die Beweidung während der Wintermonate insbesondere zwischen November und Februar/ März von großer Bedeutung. In diesem Zeitraum kommt es zu einer erheblichen Beeinflussung der Konkurrenzverhältnisse zwischen Arten der Grünlandvegetation, aber auch zum verstärkten Verbiss der Gehölze. Ansonsten verschmähte Arten werden während der Vegetationsruhe aufgenommen, Reste der vergangenen Vegetationsperiode gefressen. Dies betrifft ebenfalls die Streufilzschichten. Sie werden insbesondere durch Pferde unter der Schneedecke freigescharrt.

    Für den Winter 2009/2010 konnte festgestellt werden, dass es bedingt durch die Auftrennung der Pferdeherde in zwei Teilherden mit unterschiedlichem Raumnutzungsverhalten zu einer partiellen Unternutzung von Teilbereichen des Osthanges bzw. zur Übernutzung des Westhanges kam.

    Am Westhang führte die partielle Übernutzung zur Ausprägung von kurzrasigen Weiden (Weiderasen). Dies beinhaltete eine Reduktion der Streufilzschichten sowie der überständigen Vegetationsreste (Stauden). Am Osthang weidete während des Winterhalbjahres (2009/2010) aber auch im Verlauf der nachfolgenden Vegetationsperiode vorrangig die Hengstherde. Aufgrund der relativ geringen Besatzstärke waren im März erhebliche Weidereste festzustellen, die besonders in den Bereichen der Land-Reitgras-Dominanzbestände sichtbar wurden.

    Wenngleich der Weidedruck auf die Bereiche des Osthanges noch keinesfalls ausreichend war, konnte die Beweidung während der Wintermonate 2009/2010 zu einer Erhöhung der Habitatvielfalt innerhalb der Offenbodenbereiche beigetragen und vielfach zu einer mosaikartigen Strukturierung führen. Neben stark befressenen Teilflächen existierten immer auch Areale, die noch eine hohe Restbiomasse aufwiesen. Diese neu ausgeprägten Ökotone entsprechen oftmals den Habitatansprüchen der Avi- und Insektenfauna.

    Gehölze wie Eschen und Pappeln wurden im gesamten Untersuchungsgebiet durch Schälen jüngerer Exemplare massiv geschädigt. Mittelfristig ist mit einer Reduktion der Eschen und Pappeln zu rechnen. Kiefern wurden bis zur erreichbaren Höhe während des Winterhalbjahres verbissen, Kiefernjungwuchs wurde dadurch nachhaltig geschädigt. Die Spitzen von Birken und Ölweiden wurden zwar verbissen, jedoch nicht nachhaltig geschädigt. Ein großflächiger Rückgang der Birken und Ölweiden ist nach gegenwärtigen Beobachtungen nicht zu erwarten. Vielmehr bewirkt der Verbiss der Spitzen einen verstärkten Austrieb während der Vegetationsperiode und führt insbesondere im Fall der Ölweiden zu einer dichter werdenden Verbuschung.

    Durch die Entnahme eines Großteils der Tiere in Vorbereitung der Entbuschungsmaßnahmen im November 2010 sank die Besatzdichte innerhalb des SPA-Gebietes sehr stark ab und lag während der entscheidenden Strukturierungszeit von November bis März bei nur noch 0,09 GVE/ha. Aufgrund der geringen Besatzdichte innerhalb des SPA-Gebietes konnten über den Winter 2010/2011 kaum Effekte bei der Strukturierung und der Verbesserung des Zustandes der Biotope erzielt werden. Zwar wurden am Osthang zahlreiche frisch geschälte und verbissene Ölweiden festgestellt, jedoch gelang keine wesentliche Reduktion der überständigen Biomasse und Streuauflagen oder eine Strukturierung der Land-Reitgras-Dominanzen.

    Auch diese Beobachtungen unterstreichen die unbedingte Notwendigkeit des Verbleibens beider Herden innerhalb des SPA-Gebietes während des gesamten Jahres.

    Erfassung der Biotope

    Das SPA-Gebiet ist insbesondere am Ostufer durch ein abwechslungsreiches Mosaik verschiedener Biotoptypen geprägt. Größere zusammenhängende Laubgehölzkomplexe weisen in der Krautschicht dieser Pionierwälder in Abhängigkeit vom Lichtangebot zumeist Arten des Offenlandes auf. Bei noch nicht erfolgtem Kronenschluss sind neben Calamagrostis epigejos auch Arten der Magerrasen bestandsprägend. Das Ostufer ist zumeist durch blüten- und artenarme Land-Reitgras-Dominanzbestände bestimmt, während am Westufer vielfach gräserdminierte Ruderalfluren, ruderale Grünländer und Gras-/ Krautfluren trockener Standorte vorherrschend sind.

    Naturschutzfachlich besonders wertvoll sind die trockenen Gras-/Krautfluren im gesamten Untersuchungsgebiet, die als Magerrasen aufgrund ihres Artenspektrums Übergänge zu Halbtrockenrasen und Sandmagerrasen aufweisen. Vielfach existieren auch fließende Übergänge zu Land-Reitgras dominierten Quecken-und queckenreichen Halbtrockenrasen. Insbesondere im Südbereich des Untersuchungsgebietes kommen großflächig vegetationsfreie Rohböden vor, diebesonders wertvolle Lebensräume für Arten der heimischen Insektenfauna darstellen.

    In Buchten und flachen Uferbereichen haben sich Röhrichte entwickelt, die aufgrund ihrer Großflächigkeit einen hohen naturschutzfachlichen Wert haben. Die Flutung des Tagebaurestloches war mit dem Ende des Projektes weitestgehend abgeschlossen; aufgrund des Wasseranstieges ist zwischenzeitlich mit einem weiter abnehmenden Röhrichtgürtel zu rechnen. Durch ein gezieltes Management muss jedoch künftig sicher ausgeschlossen werden, dass die großflächig ausgeprägten Röhrichte von einer Beweidung ausgeschlossen werden.

    Das SPA-Gebiet stellt somit ein eng verzahntes und z. T. sehr kleingliedriges Mosaik aus unterschiedlichen Biotoptypen wie Magerrasen, Ruderalfluren und weitere ruderale Grünländer, Rohbodenstandorte, Sukzessionsstadien der Gehölzentwicklung, Wälder und Röhrichte dar. Gerade diese arten- und abwechslungsreichen Biotopmosaike stellen u. a. den besonderen Wert dar.

    Obwohl im SPA keine FFH-Lebensraumtypen kartiert werden konnten, stellen einige Biotope gesetzlich geschützte Biotoptypen nach §37 des Naturschutzgesetzes für das Land Sachsen-Anhalt dar.

    Der Vergleich der Veränderungen der Flächenanteile der einzelnen Biotoptypen zwischen den beiden Untersuchungsjahren ergibt erwartungsgemäß eine durch die Entbuschungen verursachte starke Abnahme an Wäldern mit Mischbestand aus Birke und sonstigen Pappeln (XBP). In diesen Bereichen ist nunmehr die Krautschicht vorherrschend, so dass eine entsprechend starke Zunahme an Landreitgras-Dominanzbeständen mit hohem Anteil an Magerrasenarten (UDB/RSY) zu verzeichnen ist. Diese Flächen weisen bei entsprechendem Beweidungsmanagement (Sicherstellung der Winterbeweidung) ein hohes Entwicklungspotential zur Ausprägung arten- und strukturreicher Magerrasenbiotope auf. Einen starken Rückgang des Flächenanteils weisen auch die insbesondere durch die Entbuschungsmaßnahmen betroffenen Birken-Pionierwälder (YXB) auf. Sie wurden zumeist in die Klasse der "Sonstigen Sandtrockenrasen" mit Anteil an Ruderalflurarten (RSY/UDB) oder in die Klasse Ruderalflur, gebildet von ausdauernden Arten (URA), eingestuft.

    Vegetationskartierung nach Braun-Blanquet

    Aufbauend auf den Ergebnissen der Biotopkartierung erfolgte die Auswahl der als Referenzstandorte für prägende Vegetationseinheiten geeigneten Flächen, auf denen die Erfassung der Bestandsstrukturen sowie die vegetationskundlichen Kartierungen vorgenommen wurden. Die Methodik wurde im zweiten Untersuchungsjahr wiederholt und mit den Erstaufnahmen verglichen. Im Gebiet wurden 37 Dauerflächen als Referenzflächen bzw. Nullflächen eingerichtet.

    Die Erfassung der Vegetation im Untersuchungsgebiet erfolgte in drei Maßstabsebenen. Als oberste Ebene ist die Erfassung der Biotoptypen im Maßstab 1: 12.500, die nächste Ebene wird durch die Makroplots repräsentiert.

    Die zwischen den drei parallel laufenden Projekten abgestimmte Erfassungs- und Untersuchungsmethodik musste für das Untersuchungsgebiet in Kayna aufgrund der kleingliedrigen Differenzierung der Biotope weiter angepasst werden. Dabei wurden die Makroplots mit 50mx50m ausgewiesen. Zudem waren im Gebiet nicht ausreichend unbeweidete Flächen der einzelnen Biotoptypen vorhanden, die als Nullflächen ausgewiesen werden konnten und im Vergleich zu den beweideten Flächen In dieser Ebene erfolgte für die Makroplotquadranten die Abschätzung der Strukturparameter Deckung sowie durchschnittliche und maximale Höhe von Baum-, Strauch-, Kraut-, Streu-, Rohboden- und Kryptogamenschicht sowie die Gräser- und Kräuteranteile.

    In der kleinsten Ebene der Vegetationserfassung wurden Vegetationsaufnahmen auf 5mx5m angefertigt, bei denen zunächst die Strukturparameter Deckung, durchschnittliche und maximale Höhe von Baum-, Strauch-, Kraut-, Streu-, Rohboden- und Kryptogamenschicht sowie die Gräser- und Kräuteranteile erfasst wurden. Außerdem erfolgte die prozentgenaue Schätzung aller vorkommenden Pflanzenarten. Im Folgenden werden die Ergebnisse der flächenmäßig bedeutendsten Biotoptypen zusammengefasst.

    Auf den Gehölzsukzessionsflächen wiesen die Ergebnisse des Biotracking nach, dass es sich bei den Flächen mit starkem Ölweidenbewuchs am Osthang um sehr schwach frequentierte Biotoptypen handelte, die auf noch bestehenden schmalen Pfaden oftmals nur noch passiert wurden. Der Verbiss erfolgte nur noch in den pfadbegleitenden Bereichen. Die am Westhang gelegenen lichten Wälder hingegen wurden stärker frequentiert

    Auf den Gehölzsukzessionsflächen waren durchschnittlich 59 Pflanzenarten im Makroplot und auf dem Mikroplot noch 34 Arten festzustellen, die Krautschichtdeckung betrug in den Makroplots durchschnittlich 51%, die Streuschichtdeckungen wiesen erwartungsgemäß relativ hohe Werte auf und wurden mit durchschnittlich 58% (Makroplot) bzw. 53% (Mikroplot) ermittelt. Die durch die Beweidung beeinflussbaren Strukturparameter wie Streuschichtdeckung, Streuschichtauflage und Krautschichthöhe sind in dem Ölweiden-dominierten Bestand am höchsten, obwohl in diesen Bereichen höherwertiges Futter steht als in den Waldbereichen. Gleichzeitig weisen die Ölweiden-dominierten Bereiche inselartig verteilt hohe Krautschichtdeckungen und eine hohe Artenvielfalt auf, es konnte eine Vielzahl an Zielarten der Magerrasen nachgewiesen werden.

    Durch die faktisch stattfindende "Nutzungsauflassung" besteht die Gefahr, dass diese wertvolle Potentiale wieder verloren gehen. Somit wird die Notwendigkeit deutlich, das Beweidungsprojekt auch weiterhin durch ergänzende Biotopsanierungsmaßnahmen zu begleiten. Für die Ölweidenbestände am Osthang würde es bedeuten, dass man durch regelmäßiges Entfernen Triften schafft und freihält, so dass die Tiere die Bereiche wieder aufsuchen und sukzessive zu einer Auflichtung beitragen. Von der damit einhergehenden Grenzlinienerhöhung würden auch viele Tierarten profitieren.

    Weitere Referenzflächen befinden sich in Bereichen ehemaliger Birkenpionierwälder, die im Zuge der Biotopsanierungsarbeiten entbuscht wurden. Aufgrund des Pflanzenbestandes der Krautschicht sind sie als Magerrasen bzw. Übergangsstadien zu Magerrasen anzusprechen. Diese Referenzflächen sind mit den langfristigen Zielen angelegt worden, einerseits naturschutzfachlich wertvolle Magerrasen mit hohem Entwicklungspotential zu beobachten und andererseits den Einfluss der Tiere auf eine erneute Gehölzsukzession zu bewerten. Veränderungen in der Krautschicht nach der starken Auflichtung der Gehölze wurden insbesondere durch das vermehrte Auftreten von Lückenzeigern und Arten der Magerrasen deutlich. Allerdings ist ca. 6 Monate nach Schnitt wieder ein erheblicher Neuaustrieb der Birkenstümpfe. Wie die Ergebnisse des Biotrackings belegen, wurden die Bereiche der Entbuschungen am Osthang lange Zeit von den Tieren gemieden und werden erst langsam wieder "erobert". Die geringe Frequentierung der entbuschten Flächen wurde auch anhand der ermittelten Strukturparameter deutlich; die für Magerrasen typischen, eher geringen Krautschichtdeckungen gingen mit einer relativ hohen Streuschichtdeckung einher. Von entscheidender Bedeutung für den Fortbestand der Magerrasenarten ist der Anteil an Rohboden, der mit durchschnittlich 32 % genügend freie Keimstellen bietet. Jede weitere Ansammlung von Biomasse mit einhergehender Reduktion des Rohbodenanteils würde jedoch den Zustand verschlechtern. Daher sind gezielte Steuerungen durch Auslegen von Lecksteinen auch in diesen Bereichen dringend angeraten.

    Für eine fortwährende Akzeptanz dieser Bereiche durch die Tiere ist es absolut entscheidend, dass die Herden auch während der Winterperioden innerhalb des SPA-Gebietes verbleiben.

    Ruderalfluren sind Vegetationsbestände aus Stauden, Gräsern, ein- und zweijährigen Pflanzen auf nährstoffreicheren Standorten. Im Untersuchungsgebiet sind diese Bestände zumeist gräserdominiert und tragen als ruderalisierte Grünländer wesentlich zur Ernährung der Tierherden bei. Im Rahmen der Beweidung mit Großherbivoren sind aus den im Untersuchungsgebiet verbreiteten Ruderalfluren arten- und blütenreiche Grünländer als naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume zu entwickeln.

    Wie die Ergebnisse der vegetationskundlichen Untersuchungen zeigen, führte die Beweidung der Ruderalfluren insbesondere am Westhang zu einer massiven Reduktion der Streudecke, was teilweise auch zu einer Erhöhung des Rohbodenanteils beigetragen hat. Durch den Verbiss nahm die durchschnittliche Krautschichthöhe teilweise um bis zu 50 cm ab. Überständige Vegetationsreste und Verbrachung anzeigende Gräser wie Elymus repens und Calamagrostis epigejos wurden auf der Suche nach frischem Grün massiv reduziert, die Deckung wertvollerer Gräser wie z. B. Arrhenatherum elatius und Dactylis glomerata konnte gesteigert werden. Es ist davon auszugehen, dass durch den massiven Entzug nekrotischer Biomasse deutlich verbesserte Wachstumsbedingungen geschaffen wurden. Der Kräuteranteil war zwar weiterhin durch das Vorkommen von Cardaria draba, Cirsium arvense und Carduus acanthoides bestimmt, letztere stellten aber insbesondere in den Sommermonaten ein umfangreiches Blütenangebot für Insekten zur Verfügung. Das Hinzutreten von krautigen Pflanzenarten der mesophilen Grünländer, aber auch Magerrasen im Untersuchungsjahr 2011 deutete an, dass die Flächen mittelfristig vom Biotopverbund profitieren und sich zu blüten-, aber auch artenreicheren Grünländern mit hohem naturschutzfachlichen Wert entwickeln können. Eine weitere Reduktion der Brachezeiger, der Streuauflagen und Streuschichtdeckungen mit Schaffung von Offenbodenbereichen unterstützt die Keimung wertvoller Arten. Vielfach waren mosaikartige Strukturen stark befressener und teilweise ungenutzter Bereiche entstanden, die durch die Schaffung neuer Grenzlinien (Ökotone) zu einer Aufwertung des Lebensraums beitragen.

    Zu den wertvollsten Biotopen des Untersuchungsgebietes gehören die yMagerrasen. Sie waren im Untersuchungsgebiet vor allem durch eine spärliche Krautschichtdecke, geringe Krautschichthöhen und einen hohen Rohbodenanteil gekennzeichnet. Eine pflanzensoziologische Zuordnung war schwierig, da es sich offensichtlich um Übergangsstadien handelte; so kamen Arten der eigentlichen Halbtrockenrasen neben Arten typischer Sandmagerrasen vor. Hinzu traten Arten ruderalisierter Magerrasen.

    Die telemetrischen Erhebungen des Habitatnutzungsverhaltens der Konik- und Gallowayherde belegten eine sehr geringe Frequentierung der Magerrasen. Hinzu kam, dass die Magerrasen zunehmend schwerer zu erreichen waren, da der aus Ölweiden bestehende Riegel im Oberhangbereich einen freien Zugang zu den ufernah gelegenen Magerrasen verhinderte. Die Magerrasen stellen sowohl für Tier- als auch für zahlreiche Pflanzenarten ein wichtiges Rückzugsgebiet dar. Daher ist die Erhaltung und Verbesserung ihrer Funktion durch die Beweidung noch intensiver zu fördern. Dazu sollten künftig "Lockspuren" mit Hilfe von Lecksteinen gezielt auch in diese Bereiche führen. Die Magerrasen profitieren bereits vom Tritt der Tiere; in den für die Strukturierung entscheidenden Monaten November bis März müssen die Herden im SPA-Gebiet verbleiben, damit auch die Magerrasen von einer stärkeren Frequentierung und damit einem höheren Fraßdruck profitieren. Erste Anzeichen ergaben die telemetrischen Erhebungen, die für September 2011 einen deutlichen Anstieg der Aufenthaltszeiten ausweisen. Da die Herden offensichtlich die Ausbreitung der im Oberhangbereich verbreiteten Ölweide nicht aufhalten oder zurückdrängen konnten, sollten biotopsanierende Maßnahmen ernsthaft in Erwägung gezogen werde. Soweit die Flächen maschinengängig sind, sollten durch regelmäßiges Mulchen die Zugänglichkeit des Osthangs verbessert werden. In nicht maschinengängigen Bereichen müssen breite Schneisen die Erreichbarkeit isoliert liegender oder schwer zugänglicher Bereiche verbessern.

    Land-Reitgras-Dominanzbestände sind ruderale Pionierrasen und weisen auf die jahrelange Nutzungsauflassung hin. Im Untersuchungsgebiet ist dieser Biotoptyp weit verbreitet und besonders auf den Osthang konzentriert. Insgesamt sind 20,2 ha der Offenländer durch diesen artenarmen Biotoptyp geprägt, der als typischer Biotoptyp aufgelassener Bergbaufolgelandschaften gilt.

    Der direkten Vergleich der auf den Referenzflächen am Westhang und am Osthang erhobenen Parameter als Durchschnittswerte machte deutlich, dass die regelmäßige Nutzung von Flächen dieses Biotoptyps im Vergleich zu beinahe ungenutzten Flächen zur Verbesserung des naturschutzfachlichen Wertes führte, indem die Strukturparameter optimiert werden.

    Neben der Reduktion der Streuschichtdeckung, Streuschichtauflage, Calamagrostis-epigejos-Deckung, Krautschichthöhe, maximale Krautschichthöhe, Rubus caesius-Deckung kommt es in den gut frequentierten Flächen zur Erhöhung des Grasanteils, der sich aber durch die Zunahme der Deckung gewünschte und den Umbau des Grünlandes anzeigender Gräser wie Agrostis spec. und Festuca spec. ergibt, während die Zunahme des Gräseranteils in beinahe ungenutzten Flächen fast ausschließlich durch die Erhöhung der Calamagrostis epigejos-Deckung zu erklären ist.

    Insbesondere der Vergleich der beiden Flächen macht deutlich, dass Land-Reitgras-Dominanzen als Futterflächen angenommen wurden und durch den regelmäßigen Verbiss sich die Tiere ihre künftigen Weiden selber aufwerten, indem sie die Voraussetzungen für den Umbau der Grünländer schaffen. Das gibt zu der Schlussfolgerung Anlass, dass das Untersuchungsgebiet mit seinem hohen Flächenanteil an Land-Reitgras-Dominanzbeständen noch ein erhebliches Potential an Futterflächen aufweist, das aufgrund des derzeit unmöglichen Zugangs nur unzureichend abgeschöpft wird.

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